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Heft 12
Heft 12
Dezember 2017
68. Jahrgang

Titelbild:
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Druckansicht: Deutsche Kakteen-Gesellschaft e.V.
Seite: Web-Artikel
Datum: 16.12.2017
Link: http://www./cs/index.pl?navid=Schwarzes_Brett_1129

Web-Artikel

 
 
 
 
 
 

15.08.2010 | Neues aus dem Vereinsleben –
Die vier Phasen der Kakteenleidenschaft | Beirat

Sturm und Drang
Phase 1
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Spezialisierung
Phase 2
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Konsolidierung
Phase 3
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Ich bin zwar erst seit sieben Jahren in der Deutschen Kakteen-Gesellschaft aktiv, habe aber durch meine Tätigkeiten dort eine Vielzahl von Kakteenfreunden getroffen und inzwischen viele Sammlungen gesehen. So unterschiedlich diese Sammlungen ausfallen, so kristallisiert sich aber doch ein Art Struktur und Werdegang heraus, über die ich hier gern einmal spekulieren möchte. Vielleicht haben Sie ja ähnliche Erfahrungen gemacht, vielleicht sehen Sie die Dinge aber auch ganz anders. In jedem Fall würde ich mich über Feedback freuen, schreiben Sie mir einfach eine Mail an beirat@dkg.eu.

Phase 1 – Sturm und Drang
Der Beginn der Kakteenleidenschaft ist meist geprägt von dem Versuch, alles zu sammeln, was wie ein Kaktus aussieht. Was oft mit einem einzelnen Kaktus (wohlmöglich aus dem Baumarkt) beginnt, entfaltet schnell eine Eigendynamik, die noch den allerletzten Platz am Fensterbrett nötig macht. Es gibt in der Regel keine spezielle Sammelausrichtung, so dass bald ein kunterbuntes Durcheinander von Pflanzen aller möglichen Gattungen entsteht. So kommt es dann, dass in fast jeder Sammlung eine Mammillaria zeilmanniana, ein Cleistocactus strausii oder ein Echinocactus grusonii vorhanden ist.

Noch ist der Kakteenfreund versucht, alle existierenden und auf dem Markt verfügbaren Arten zu beschaffen, nicht ahnend, dass dies sehr unterschiedliche Kulturbedingungen erfordert und in letzter Konsequenz gar nicht zu leisten ist. Ich persönlich habe mir akribisch Anschaffungspläne geschrieben, jeden Monat 5–10 Pflanzen bei den bekannten Kakteengärtnereien bestellt und so nach und nach immer mehr unterschiedliche Gattungen angeschafft. Jede Gattung wollte ich haben, und von jeder Gattung im ersten Schritt mindestens 10% aller Arten, im zweiten Schritt dann 25%, und so weiter und so fort. Das ging natürlich nicht lange gut.

Phase 2 – Spezialisierung
Irgendwann merkt jeder frisch gebackene Kakteensammler, dass es Gattungen gibt, die man nicht einfach so sammeln kann, ohne ein gewisses Maß an speziellen, kulturbedingten Voraussetzungen zu schaffen. Aztekien, Pedios und Coleocephalocereen kann man eben nicht einfach wie eine Echinopsis oder eine Mammillaria weitgehend sich selbst überlassen. Hinzu kommt, dass man feststellt, dass einige Gattungen in der eigenen Sammlung besonders gut gedeihen, oder man ertappt sich dabei, dass man bestimmte Pflanzen lieber hat als andere. Das ist dann der Moment, an dem man in sich geht und sich auf einen Schwerpunkt festlegt, manchmal wie aus heiterem Himmel, manchmal als bewusste Entscheidung.

Eine Spezialisierung kann sehr unterschiedlich aussehen. Die einen legen sich auf eine Gattung fest, etwa Echinocereus oder Parodia, die nächsten finden die Pflanzen einer bestimmten Gegend besonders reizvoll, etwa Chilenen oder US-Amerikaner. Wieder anderen hat es der Habitus angetan, sie sammeln Cristaten oder Epiphyten. Es soll Leute geben, die sammeln Opuntien.
Ich sammle Säulenkakteen. Das ist eine merkwürdige Spezialisierung, denn sie engt die verschiedenen Kulturanforderungen gar nicht sehr gut ein. Pilosocereen aus Brasilien und Cleistocactus ist immer noch schwer unter einen Hut zu bringen. Man merkt außerdem sehr schnell, dass ein normales Gewächshaus nicht hoch genug ist, besonders wenn man wie ich die wirklich großwerdenden Gattungen der Tribus Pachycereae mag.

Charakteristisch für eine Sammlung der Phase 2 ist, dass man ihr ansieht, dass eine Spezialisierung stattgefunden hat, in der sich aber immer noch viele Vertreter der in Phase 1 beschafften Arten tummeln. Da ausnahmslos jeder Kakteenfreund früher oder später Platzprobleme bekommt, wird sich dies aber bald ändern.

Phase 3 – Konsolidierung
Ist die Spezialisierung erst einmal gefestigt, wird es Zeit, die Pflanzen, die sich in der Anfangszeit angesammelt haben, zu vermindern. Sie passen einfach nicht mehr ins Bild, der Platz wird anderweitig benötigt oder die Kulturbedingungen erzwingen eine Abschaffung (wenn das Aztekium zu diesem Zeitpunkt nicht ohnehin schon das Zeitliche gesegnet hat). Da passt es natürlich gut, dass man in dieser Zeit oft zu Kakteenbörsen fährt, um seine inzwischen geknüpften Kontakte zu treffen, von denen man immer wieder die eine oder andere noch fehlende Pflanze für die Spezialsammlung bekommt. Was man nicht mehr benötigt, wird dann kurzerhand auf der Börse angeboten, das halbe Dutzend Mammillaria elongata (von gutmeinenden Verwandten aus dem Lebensmitteldiscounter "gerettet") und die ebensovielen grusoniis ("Hast du den echt schon?") bringt man nun nach und nach unter die Leute, denn Vertreter der Phase 1 gibt es immer und überall.

Man sollte nun natürlich nicht dem Irrglauben verfallen, dass die Abschaffung der überflüssigen Pflanzen irgendetwas am Platzmangel ändert. Es reicht gerade, um die Neuanschaffungen unterzubringen, oft ist eine Erweiterung des Gewächshauses trotzdem vonnöten. Denn ein anderes Phänomen der Konsolidierungsphase macht sich bemerkbar: die Vervielfältigung. Je spezieller die Sammlung, desto schwieriger wird es im fortgeschrittenen Stadium, an noch fehlende Pflanzen zu kommen. Das hat zwei Auswirkungen: Zum einen geht keiner gern ohne wenigstens eine Pflanze von einer Börse nach Hause. Wenn es dort also nicht das Gesuchte gibt, dann muss es eben eine Art sein, die man zwar schon besitzt, die aber einen weiteren Vertreter gut vertragen kann. Ist der Neuling nicht besonders hübsch? Hat das eigene Exemplar neulich nicht etwas kränklich ausgesehen? Was, wenn es unvermittelt eingeht? Dann steht man plötzlich ohne da.
Die zweite Auswirkung ist, dass man an fehlende Arten oft nur über Samen kommt. Also fix selbst ausgesät, braucht nicht viel Platz und macht ja auch Spaß. Nur dass man dann plötzlich 20 oder 50 oder 100 Pflanzen derselben Art hat, die man niemals alle los wird. Aber wegwerfen? Wo man jeden einzelnen Sämling höchstselbst gezogen hat und beim Vornamen kennt?

Phase 4 – Komprimierung
Eines Tages stellt man fest, dass man nun auch schon seit vierzig Jahren (oder länger) dabei ist. Und da wird einem plötzlich bewusst, dass das letzte Hemd keine Taschen hat und die vielen Lebewesen, die man um sich herum geschart hat, einen selbst überdauern werden. Manchen ist das egal, sie machen weiter, bis sie nicht mehr sind. Andere sorgen sich, was wohl aus ihren Lieblingen werden wird und können den Gedanken nicht ertragen, dass einfach alles auf dem Kompost landet. Aber welche Optionen hat man?

Im besten Fall ist man in einer Ortsgruppe organisiert und kennt ein paar junge Leute, die bereit sind, zum Schluss die Sammlung zu übernehmen oder zumindest fachgerecht aufzulösen. In seltenen Fällen hat man im Laufe der Zeit einen eigenen Enkel mit dem Kaktusvirus infiziert, dann kann man beruhigt kommen lassen, was kommen mag. Charakteristisch für diese Phase ist aber wohl, dass man beginnt, sich nach und nach von Pflanzen zu trennen. Die Sammlung wird auf eine Kernauswahl reduziert (was nicht heißt, dass die nicht immer noch aus Hunderten von Pflanzen bestehen kann). So gelangen die jungen Sammler der ersten und zweiten Phase an stattliche Stücke, womit hoffentlich allen geholfen ist.

Ich selbst bin noch nicht in dieser Phase angekommen, aber wenn sich im Laufe der Jahre nichts ändert, werde ich im Alter mit meiner Sammlung ziemlich alleine dastehen. Die Verantwortung für die Pflanzen nagt schon hin und wieder an mir. Aber was soll ich tun?
Als Beirat und Ortsgruppenvorsitzender erhalte ich häufiger Anrufe von Söhnen und Töchtern der Kakteensammler der vierten Phase. Vater oder Mutter können ihre Sammlung nicht mehr bewältigen und etwas muss geschehen. Viel Hoffnung steckt in diesen Anfragen, manchmal auch nur die der Sammler selbst, weil es den Kindern eher lästig ist. Gerade heute werde ich wieder vor einigen Drei-Meter-Säulen stehen und den Leuten sagen müssen, dass ich keinen Platz habe und auch der logistische Aufwand enorm wäre. An das weitere Schicksal der Pflanzen mag man da gar nicht denken. Aber die Fotos, die ich im Vorwege erhalten habe, sind typisch für Phase 4: Jahrzehntelang gewachsene Freibeete mit großen ausgwachsenen Pflanzen, jede für sich einen zweiten Blick wert, dazwischen bereits erste Lücken, wo früher mal etwas wuchs, was das große Glück hatte, in andere Hände übergegangen zu sein.

Resumee
Die von mir geschilderte Aufteilung eines Sammlerlebens in vier Phasen ist natürlich rein subjektiv, keine empirischen Untersuchungen liegen ihr zu Grunde. Es kann also sein, dass ich daneben liege. Glaube ich aber nicht, und ich denke, man kann einen solchen Werdegang auch bei Sammlern anderer Façon entdecken. Wer will schon seine Sammlung von Kuckucksuhren im Sperrmüll landen sehen?

In welcher Phase stecken Sie? Und wo geht Ihre Reise hin? Und nicht zuletzt: Organisieren Sie sich, in einer Ortsgruppe zum Beispiel! Vielleicht ist das die einzige Möglichkeit zu verhindern, dass Ihre Pflanzen auf dem Grünabfall landen, wenn Sie mal nicht mehr sind.

Für den Beirat
Bernhard Wolf – Sprecher des Beirats

 
 
 
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